Die Zukunft des Ortenau Klinikums Ettenheim steht auf dem Spiel

Niemand verlangt, in jeder Kleinstadt. ein Krankenhaus mit Maximalversorgung bis hin zur Spezialabteilung für Tropenkrankheiten vorzuhalten. Doch die wohnortnahe medizinische Grundversorgung muss gesichert sein. Das muss die Regierung gewährleisten, dafür zahlen die Bürger Steuern und Abgaben.

Lebensqualität der Bürger sinkt, Versorgungsqualität leidet

Krankenhaus (Symbolbild)
Krankenhaus (Symbolbild)

Wie man an Beispielen bereits vollzogener Klinikschließungen wie etwa im Raum Villingen-Schwenningen sehen kann, erhöhen sich sowohl die Anfahrtszeiten für Rettungsdienste, Patienten und Familienangehörige, ebenso wie die Wartezeiten in den zentralisierten Klinikstandorten teilweise drastisch. Dies bedeutet höhere Transportkosten, eine Zunahme der Umweltbelastungen sowie einen deutlichen Verlust an Lebensqualität. Volkswirtschaftlich wird dadurch die Bilanz nicht besser, die Belastungen werden nur zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger umverteilt.

Angesichts der demographischen Entwicklung mit immer mehr älteren mobilitätseingeschränkten Patienten und Angehörigen ist der Rückzug aus der Fläche das Gegenteil von dem, was man als steuerzahlender Bürger mit einer stetig steigenden Abgabenlast von einer Landesregierung und insbesondere einem Sozialminister Manfred Lucha (Bündnis90/DieGrünen) erwartet. Was ist mit dem geleisteten Amtseid „seine Kraft dem Wohle des Volkes zu widmen, seinen Nutzen zu mehren, Schaden von ihm zu wenden“?

Dass seinem Parteikollege Alfred Baum, Vorsitzender der Kreistagsfraktion, der Standort Ettenheim wenig am Herzen liegt, hat dieser bei der Podiumsdiskussion in Ringsheim klar zu verstehen gegeben.

Mangelhaftes Strukturgutachten des Kreistages

Das sogenannte Strukturgutachten Agenda 2030, welches vom Kreistag in Auftrag gegeben und nun vorgelegt wurde, stützt sich auf die Daten aus dem Wirtschaftsjahr 2016. Es lässt dabei jedoch völlig außer Acht, dass dieses Jahr für das Ettenheimer Klinikum ein Ausnahmejahr war. Bedingt durch Personalmangel am Standort Lahr wurde zeitweise eine ganze Abteilung in Ettenheim stillgelegt, um im Klinikum Lahr auszuhelfen. Dass dies geringere Belegungszahlen in Ettenheim zur Folge hatte, dürfte jedem mit gesundem Menschenverstand klar sein. Das Gutachten ignoriert diesen Umstand jedoch ebenso, wie die Bedeutung des Ettenheimer Klinikums für den nördlichen Breisgau.

Es fehlen Vorschläge für eine konzeptionelle Weiterentwicklung des Ettenheimer Klinikums, es fehlt die Berücksichtigung des zu erwartenden technischen Fortschritts im Medizinbereich bis hin zur Digitalisierung und Telemedizin, es fehlt die besondere Bedeutung des Standortes als Notfallkrankenhaus in Hinblick auf den Europapark Rust mit mehr als 5,6 Millionen Gästen jährlich, es fehlt die Berücksichtigung, dass im Falle von Epidemien und multiresistenten Keimen in Kliniken eine dezentrale Kliniklandschaft deutlich besser aufgestellt ist, als die Fokussierung auf wenige Maximalversorgerstandorte.

Fragwürdig ist darüber hinaus, sich bei der Planung für die Zukunft, auf den Status Quo zu stützen, statt in der Gesamtbetrachtung die wirtschaftliche Entwicklung des Standortes über einen Zeitraum von wenigstens 5 oder 10 Jahren, sowie mögliche weitere Änderungen in der Gesundheitspolitik mit einzubeziehen.

Den Beweis, dass große Häuser der Zentral- und Maximalversorgung sämtliche Leistungen besser erbringen können als kleinere Häuser der Grundversorgung bleibt das Gutachten ebenfalls schuldig.

Fachkräftemangel wird sich durch Zentralisierung weiter verschärfen

Den Fachkräftemangel wird man mit immer mehr Zentralisierung im Gesundheitswesen eher verschärfen. Zum einen: Pflegekräfte sind Menschen, Menschen brauchen bezahlbare Wohnungen und diese sind naturgemäß in Ballungszentren deutlich weniger verfügbar als in der Fläche. Auch der Hinweis auf Wohnen im Umland und den öffentlichen Nahverkehr geht ins Leere, denn zum einen sind die Angebote des ÖPNV in den seltensten Fällen Schichtdienst- und Teilzeitarbeitstauglich, zum anderen müssen die Kosten für die längeren Arbeitswege ebenfalls berücksichtigt werden, was sowohl potentiellen Nachwuchs im Pflegebereich als auch bereits ausgebildete Fachkräfte bei einer ausgedünnten, auf wenige Standorte zusammengeschrumpfte Kliniklandschaft eher abschrecken denn begeistern wird.

Auch bei den Ärzten wird sich der ein oder andere die Frage stellen, ob er in einem Großklinikum die Gestaltungsfreiheit und Aufstiegsmöglichkeiten für seinen persönliche Lebensplanung vorfindet, oder – wie es immer häufiger geschieht – seine Fachkenntnis lieber im Ausland einsetzt.

Die Regierung hat eine Fürsorgepflicht für die Bevölkerung

Ein „Struktur-Gutachten“, welches mehr Fragen unbeantwortet lässt denn ein tragfähiges Konzept für eine nachhaltige wohnortnahe Gesundheitsversorgung der Bevölkerung vorzulegen, eine Gesundheitspolitik, die den Zentralismuswahn und die Abwertung von Patienten zu reinen „Fallspauschalen“ vorantreibt und ein Grüner Kreistagsfraktionsvorsitzender, dem ähnlich wie seinem Parteikollegen, Sozialminister Manfred Lucha, die medizinische Grundversvorgung in und um Ettenheim recht egal zu sein scheint – so könnte man die aktuelle Situation bezüglich des von der Schließung bedrohten Ortenauklinikums Ettenheim zusammenfassen.

Es wird allerhöchste Zeit, dass sich die Politik wieder an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientiert statt an theoretischen Planspielen, die an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger meilenweit vorbeigehen. Deshalb setzten wir uns als Alternative für Deutschland für den Erhalt des Krankenhauses in Ettenheim ein. Bitte unterstützen Sie uns dabei und denken Sie daran: Baden-Württemberg wählt Anfang 2019 seine kommunalen Parlamente. Nur mit Ihrer Stimme können wir etwas für Sie bewegen!